Umgang mit dem Wolf

Das Thema Wolf war auch im Jahr 2023 präsent: 60 gerissene Schafe, drei Abschussverfügungen, zwei erlegte Wölfe und dutzende Interviews und Artikel zum Wolf. Die negativen Schlagzeilen dominierten, obwohl der Wolf für die Biodiversität ein Gewinn ist.

Seit der Ablehnung des Jagdgesetzes zur erleichterten Regulierung von Wölfen in der Volksabstimmung vom September 2020 hat sich die Anzahl Wolfsrudel in der Schweiz von zwölf auf rund 37 vergrössert. Im Jahr 2023 hat sich das Calfeisental-Rudel zum zweiten Mal fortgepflanzt. Sechs Jungwölfe wurden mehrfach beobachtet und fotografisch festgehalten. Die Wolfssichtungen konzentrierten sich mehrheitlich auf das südliche Sarganserland. Weitere Nachweise gelangen in Werdenberg, im Toggenburg und im Rheintal.

Geringe Zunahme an gerissenen Schafen

Im Jahr 2023 wurden 60 durch Wölfe gerissene Schafe von der kantonalen Wildhut bestätigt, neun Risse mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es erfreulicherweise keine gerissenen Ziegen oder Rinder. Knapp die Hälfte der Risse fand in geschützten Herden statt. Es wurden Fr. 19'272.– an Entschädigungen ausbezahlt. Ohne einen breit angewendeten Herdenschutz wäre die Anzahl Risse viel grösser.

Wolf-Management

Wegen dem Überschreiten der Schadschwelle hat das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) im November 2023 für einen Einzelwolf im Schils- und Weisstannental sowie im August und Dezember zur Regulation des Calfeisental-Rudels eine Abschussverfügung erlassen. Die Wildhut hat im Juli einen kranken Wolf sowie im Dezember einen Jungwolf aus dem Rudel erlegt.

Die zahlreichen Medienanfragen fokussierten sich hauptsächlich auf die negativen Aspekte und Schäden im Zusammenhang mit dem Wolf. Dabei gibt es auch positive Entwicklungen. Der Wolf fördert beispielsweise die Biodiversität, indem er den Rothirschbestand reguliert und damit die Waldverjüngung unterstützt. Wölfe jagen nachweislich vorrangig Jungtiere sowie kranke, alte und schwache Wildtiere und erfüllen somit eine wichtige Rolle als «Gesundheitspolizei» in der Natur. Gleichzeitig müssen die Anliegen der Landwirtschaft ernst genommen werden und auffällige Tiere sollten entfernt werden. Es ist auch künftig wichtig, Mittel für den Herdenschutz bereitzustellen, um Rissen vorzubeugen. Das Ziel besteht darin, eine tragbare Anzahl scheuer Wölfe in guter Verteilung in der Schweiz zu erhalten.