Waldziele St.Gallen

Vision und Ziele

Die Formulierung der neuen Waldziele basiert weitgehend auf den Ergebnissen aus der Umfeldanalyse sowie aus den verschiedenen Erarbeitungsschritten (siehe Kapitel 3.). Ein besonderes Augenmerk lag auf einer prägnanten und knappen Formulierung, sowie auf der Vermeidung von Wiederholungen und Vermischen unterschiedlicher Zielebenen.

Das Ergebnis des Prozesses sind zehn Waldziele sowie eine übergeordnete Vision im Sinne einer Ausrichtung der künftigen Waldpolitik. Die Vision stellt eine Bekräftigung des entsprechenden Artikels in der Kantonsverfassung dar und symbolisiert das Bekenntnis der Regierung zu den nachfolgenden zehn Zielen. Die Ziele dienen so der Umsetzung der Vision und definieren konkret, was erreicht werden soll. Die Reihenfolge der Waldziele stellt keine Priorisierung dar. Diese orientiert sich – analog zum neuen Waldentwicklungsplan – weitgehend (Ziele Nr. 1 bis Nr. 6) an den Helsinki-Kriterien . Die Ziele Nr. 7 bis Nr. 10 entsprechen aktuellen Schwerpunkten.

Vision

Der Kanton St.Gallen sichert mit einer nachhaltigen Waldpolitik die vielfältigen Leistungen des Waldes für heutige und künftige Generationen.

Waldziele

Der Wald trägt mit seiner Fläche, seiner Verteilung und seiner Beschaffenheit wesentlich zur Umwelt- und Lebensqualität im Kanton bei.

Für die langfristige Sicherung der Waldleistungen muss der Wald nicht nur in seiner Ausdehnung, sondern auch in seiner räumlichen Verteilung und Qualität erhalten bleiben. Damit wird gewährleistet, dass er die örtlich benötigten Leistungen erbringen, und dass die gesamte Bevölkerung im Kanton von seinen Leistungen profitieren kann. Eine generelle Zu- oder Abnahme der Waldfläche ist nicht erwünscht.

Der Wald ist widerstands- sowie anpassungsfähig.

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Angesichts von Herausforderungen wie extreme Wetterereignisse (wie Sturm, Trockenheit) oder Schadorganismen sind vitale und regenerationsfähige Wälder die Voraussetzung für die Gewährleistung all ihrer Leistungen. Diese Herausforderungen nehmen mit dem Klimawandel zu. Die Widerstandskraft des Waldes ist besonders gross, wenn er naturnah, strukturreich und standortgerecht aufgebaut und wenn der Waldboden intakt ist.

Die Schutzwälder gewährleisten einen kontinuierlichen und langfristigen Schutz vor Naturgefahren.

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Schutzwälder sind eine wirksame und effiziente Form der Naturgefahrenprävention. Der langfristige Schutz von Siedlungen, Verkehrswegen und Infrastrukturen erfordert ein konsequentes Management dieser Wälder.

Holz aus nachhaltiger Waldnutzung stärkt die Wertschöpfungskette und den Klimaschutz.

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Die regionale Wertschöpfungskette Wald und Holz verbindet ökologische und ökonomische Interessen. Die nachhaltige Ernte des im Kanton St.Gallen gewachsenen Holzes ist dabei ebenso wichtig wie dessen Einsatz für möglichst hochwertige Produkte. In Verbindung mit einer lokalen Verarbeitung und Verwendung leistet Holz einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zu einer klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft im Kanton St.Gallen.

Der Wald ist wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen.

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Eine grosse Biodiversität stabilisiert das gesamte Ökosystem, macht es widerstandsfähiger gegen Störungen und ermöglicht die Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Gezielte Eingriffe, der naturnahe Waldbau und ein gebietsweiser Nutzungsverzicht erhalten und fördern die Lebensraumvielfalt, seltene und bedrohte Arten sowie deren genetische Variabilität und Vernetzung.

Der Wald bietet der Bevölkerung Raum für Erholung und Freizeit.

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Der Wald ist für die Bevölkerung des Kantons St.Gallen ein wichtiger Erholungs- und Freizeitraum und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Volksgesundheit. Diese Funktion muss stets im Einklang mit den übrigen Waldfunktionen stehen. Dazu braucht es attraktive Angebote und eine angemessene Nutzerlenkung.

Die Schalenwildbestände stehen im Einklang mit ihrem Lebensraum.

Der Wald ist ein wichtiger Teil des Lebensraumes für Wildtiere. Zu hohe Schalenwildbestände können jedoch wichtige Waldleistungen gefährden. Die Aufwertung des Gesamtlebensraums und angepasste Schalenwildbestände gewährleisten die Waldleistungen auch in Zukunft.

Die Waldwirtschaft im Kanton St.Gallen wird von einer leistungs- und zukunftsfähigen Forstbranche getragen.

Die Sicherung der Waldleistungen setzt leistungs- und wettbewerbsfähige Waldbewirtschaftende voraus, namentlich Forstbetriebe und Forstunternehmungen. Dazu braucht es zweckmässige und effiziente Organisationsstrukturen. Leistungen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, werden im Sinne marktfähiger Produkte erbracht – also auf Nachfrage und gegen angemessene Bezahlung.

Für die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes steht genügend gut ausgebildetes Fachpersonal zur Verfügung.

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung erfordert gut ausgebildetes Fachpersonal. Genügend Fachkräfte und deren kontinuierliche Weiterbildung sichern die Waldbewirtschaftung und deren Qualität im Kanton St.Gallen langfristig.

Die Bevölkerung kennt die Bedeutung des Waldes und seiner Leistungen.

Nur wenn die Bevölkerung die Leistungen und Funktionen des Waldes kennt, entstehen Verständnis und Akzeptanz für die Waldpflege und Holzernte. Zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit schafft die Grundlage für eine breite Unterstützung einer zukunftsgerichteten Wald- und Holzpolitik.