Geschäftsbericht der Staatsanwaltschaft St.Gallen 2025

Der Verlust verbindlicher Werte, Prinzipien und Regeln schwächt die Legitimation staatlichen Handelns. Staat und Verwaltung werden zunehmend instrumentalisiert, die Macht verschiebt sich zur Exekutive und die Gesellschaft wird moralisch fragmentiert. Ohne verbindliche Normen reduziert sich der Staat auf eine reine Machtausübung – und Macht ohne Normen zerstört ihre eigene Grundlage.

«Strafverfolgung muss sich immer an den demokratisch festgelegten Normen orientieren – unabhängig von medialem oder politischem Druck. Ein Verlust dieser Grundlagen wäre verheerend.»

Christoph ILL, Erster Staatsanwalt

Liebe Leserinnen und Leser

Was bis vor kurzem selbstverständlich war, ist es nicht mehr. Was lange Bestand hatte, wird in Frage gestellt. Die Gewaltenteilung – ein zentrales Element des Rechtsstaats – ist der Beliebigkeit der medialen Öffentlichkeit und somit der Tagespolitik ausgesetzt. Wenn der Rückzug eines Botschafters aus der Schweiz als Reaktion auf die Haftentlassung einer tatverdächtigen Person nach dem Brand in Crans-Montana erfolgt, brechen rechtsstaatliche Dämme und der Populismus scheint sich über das Funktionieren des Rechtsstaats stellen zu wollen.

Die Voraussetzungen der Untersuchungshaft sind im Prozessrecht klar festgelegt. Weder die Empörung der Opfer und Angehörigen – so verständlich der Schmerz auch ist – noch politischer Druck oder internationale Erwartungen sind gesetzliche Haftgründe. Strafverfolgungsbehörden müssen sich auch in schwierigen Situationen vollständig am geltenden Recht orientieren.

Das gelingt nur, wenn umfassende Rechtskenntnisse vorhanden sind und diese im Berufsalltag professionell, d.h. rollengetreu, umgesetzt werden. Dafür braucht es Wissen und Können. Beides müssen wir laufend pflegen und kritisch hinterfragen. Unsere Aufgabe ist es, über das nötige Wissen zu verfügen, um rechtsstaatlich korrekt zu handeln. Manchmal braucht es auch Mut, das Richtige zu tun. Nur wenn all das gegeben ist, können wir den Rechtsschutz gewährleisten, auf den alle Menschen in einer Demokratie Anspruch haben; unabhängig von unsachlichen Forderungen von welcher Seite auch immer. 

Neben einer guten Aus- und Weiterbildung, die für mich mit Blick auf künftige Herausforderungen eine zentral Rolle spielt, müssen wir uns heute und in naher Zukunft mit folgenden vielfältigen Themen auseinandersetzen: funktionale Räume in der Strafverfolgung, Digitalisierung der chaîne pénale, Organisationsentwicklung in Richtung Gesamtorganisation, neue Wissensplattformen und Anwendung von künstlicher Intelligenz, bessere Vernetzung über Amts- und Kantonsgrenze hinweg, Entwicklungen im Bereich Robotik, Personalentwicklung, etc.

Die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft ist anspruchsvoll, vielfältig und sinnhaft. Gespräche mit jungen Mitarbeitenden bestätigen mir, dass viele bewusst in die Staatsanwaltschaft kommen, um sich diesen Aufgaben zu stellen. Dafür bin ich dankbar – ebenso für das Engagement der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die aktiv die Zukunft mitgestalten.

Unsere Gesellschaft und Zukunft sind dynamisch; die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen ebenso: heute, morgen und auch in Zukunft.

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Publikationsdatum

30.04.2026

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