Tag der Staatsanwaltschaft

Einmal jährlich findet ein Anlass für alle Mitarbeitenden der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen statt, der jeweils am Nachmittag fachlich und gesellschaftlich interessante Aspekte für alle Berufskategorien beleuchtet und mit einem gemeinsamen Imbiss und Austausch endet. Dieses Jahr führte der Anlass nach Wil zu einer Filmvorführung der besonderen Art.

Am Nachmittag des 12. Juni 2025 wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft im CineWil in die Vergangenheit der Strafverfolgung geführt. Der Film «Friedas Fall» erzählt die wahre Geschichte der jungen Schneiderin Frieda Keller aus St.Gallen, die im Sommer 1904 ihren 5-jährigen Sohn getötet und in einem Wald vergraben hatte.

Der Film wurde vorwiegend am Klosterplatz in St.Gallen gedreht und zeigt die noch vor 120 Jahren geltende Praxis des Strafprozesses: kein notwendiger Verteidiger, keine Absprache der Verteidigungsstrategie, keine ausführliche Befragung, kein Ausforschen entlastender Momente; dafür drohende Todesstrafe und «Begnadigung» zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe mit Schweigegebot, Kontaktsperre und Namensverlust. «Friedas Fall» entfachte 1904 ein Aufbegehren gegen die damalige Justizordnung, prägte die Anfänge der Frauenrechtsbewegung in der Schweiz und trug schliesslich fast 40 Jahre später zur Abschaffung der Todesstrafe bei.

Der Film beeindruckte sehr und die anschliessende Diskussion liess vor allem den Gedanken zurück: Was denkt man wohl in 120 Jahren über unsere heutige Ausgestaltung des Strafprozesses und die Sanktionen?