Ostschweiz und Lichtenstein erheben KI-Potenzial
Fünf Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein haben das Potenzial von KI in der öffentlichen Verwaltung erhoben. Es zeigen sich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten mit Blick auf effizientere Abläufe und ein besseres Kundenerlebnis.
Bislang gab es keine Übersicht darüber, in welchen Bereichen KI die Verwaltung effizienter machen oder Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen verbessern kann. In der gemeinsam von den Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein erarbeiteten Studie wurden über 1’000 Anwendungsfälle identifiziert und zu rund 125 Fällen zusammengefasst. Es hat sich gezeigt, dass das Potenzial für die Nutzung von KI in der öffentlichen Verwaltung gross ist.
Für die Nutzung des KI-Potenzials gibt es keine Abkürzung. Der Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung ist komplex, interdisziplinär und ressourcenintensiv. Zentral sind dabei der Datenschutz und die Informationssicherheit.
Bevor KI in der öffentlichen Verwaltung systematisch eingesetzt werden kann, müssen Fragen zum Datenschutz und zur Informationssicherheit sorgfältig geprüft werden. Im Nachgang zur Potenzialanalyse soll deshalb eine konkrete Umsetzungsagenda für die Realisierung des identifizierten Potenzials erstellt und anschliessend mit der Realisierung ausgewählter Use-Cases begonnen werden.
Interview mit Benedikt van Spyk, Leiter Staatskanzlei
Warum macht der Kanton nicht schneller vorwärts beim Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung?
Der Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung bietet zahlreiche Chancen. Wir möchten diese aktiv und zugleich verantwortungsvoll und gesetzeskonform nutzen. Als Verwaltung haben wir eine besondere Sorgfaltspflicht und müssen uns insbesondere an die Vorgaben des Datenschutzes halten. Innerhalb dieses Rahmens einen Umsetzungspfad zu finden, braucht Zeit.
Wie geht der Kanton vor, um möglichst rasch und gesetzeskonform KI in der Verwaltung einzusetzen?
Ausgehend von den Ergebnissen der Potenzialanalyse erarbeiten wir eine Umsetzungsplanung, welche die Basis für die Realisierung konkreter Use-Cases bildet. Wichtig wird sein, die richtigen Prioritäten zu setzen und die verfügbaren Ressourcen so einzusetzen, dass sie den grösstmöglichen Nutzen erzielen.
Worin bestehen die grössten Herausforderungen in Bezug auf den Einsatz von KI?
KI ist ein Transformationsprozess, kein Digitalisierungsprojekt. Entsprechend braucht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Geduld, Mut und eine grosse Lernbereitschaft. Die verfügbaren KI-Produkte unterliegen einer hohen Dynamik. Unser politisches System und damit auch die Verwaltungstätigkeit basieren allerdings auf Stabilität und Kontinuität. Der Umgang mit diesen zwei unterschiedlichen Logiken ist spannend und herausfordernd zugleich. Es muss uns gelingen, einen Weg zu finden, uns auf jene KI-Anwendungen zu fokussieren, deren Nutzung einen echten Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen sowie die Mitarbeitenden bietet. Gleichzeitig müssen wir offen für neue Möglichkeiten bleiben. Auf diesem Weg müssen wir durch Transparenz und Sorgfalt Vertrauen und Akzeptanz schaffen.
Wie haben sich der Kanton und die Gemeinden organisiert, um das Thema KI anzugehen?
Die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit den Gemeinden ist der Schlüssel, damit wir die Potenziale von KI erfolgreich und nachhaltig nutzen können. Aufgabe der Staatskanzlei ist es, die Koordination dieser Stellen zu unterstützen. Dazu wurde die Koordinationsstelle für KI und digitale Transformation in der Dienststelle Politische Planung, Controlling und Führungsunterstützung geschaffen.
