Strategie St.Galler Wald im Klimawandel

Das Kantonsforstamt hat 2025 Strategien zur Stärkung der Resilienz der Wälder erarbeitet und breit kommuniziert.

Der Klimawandel zählt zu den grössten Herausforderungen der Waldwirtschaft. Das Kantonsforstamt begegnet ihm auf mehreren Ebenen – strategisch, informativ und operativ. So wurde im Jahr 2025 unter anderem die Tree App neues Fenster eingeführt, ein praxisnahes Instrument, das Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer bei der Auswahl zukunftsfähiger Baumarten unterstützt. Einen hohen Stellenwert haben zudem die nationale und internationale Zusammenarbeit sowie der kontinuierliche Wissenstransfer.

 

Die Weiterbildung unseres Forstfachpersonals draussen im Wald und die Vermittlung der neuesten Erkenntnisse aus der Forschung sind wichtige Massnahmen im Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels im Wald. Der Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen trägt dazu bei, Fragen gemeinsam zu diskutieren und Lösungen weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich das Kantonsforstamt seit Januar 2025 am dreijährigen ARGE-Alp-Projekt «KI und Neue Technologien für den Waldbau der Zukunft in den Regionen der ARGE ALP». neues Fenster

 

Revierförster Roman Gschwend und ein Lernender beim Markieren («Bändeln») eines Zukunftsbaums in Blau sowie der «Konkurrenten» in Gelb. Die Konkurrenten werden anschliessend gefällt, damit der Zukunftsbaum optimal wachsen kann. (Foto: Pascal Gmür)
Revierförster Roman Gschwend und ein Lernender beim Markieren («Bändeln») eines Zukunftsbaums in Blau sowie der «Konkurrenten» in Gelb. Die Konkurrenten werden anschliessend gefällt, damit der Zukunftsbaum optimal wachsen kann. (Foto: Pascal Gmür)

Die zukunftsgerichtete Waldpflege in der Jungwaldphase bildet ein Schlüsselelement in der Lenkung der Baumartenzusammensetzung eines Waldes. Im März 2025 haben die Revierförster, die Forstwarte und die fünf Lernenden des Forstbetriebs Staatswald eine praxisorientierte Weiterbildung absolviert.

Peter Ammann von der Fachstelle Waldbau des Bildungszentrums Wald in Lyss erläuterte einleitend die Klimaszenarien, die Auswirkungen auf den Wald und die Handlungsoptionen. In einem zweiten Schritt erfolgte eine Instruktion über die rationelle Waldpflege, welche die natürliche Wuchsdynamik der Baumarten intelligent nutzt und mit minimalen Eingriffen die Baumartenzusammensetzung des Jungwaldes zukunftsgerecht lenkt («biologische Rationalisierung»).

In Teams wurde der Fokus auf seltene und zukunftsfähige Baumarten gerichtet. Diese wurden mit Bändeln markiert und sogleich mit der Motorsäge freigestellt. Dies wird als «Stangenholzpflege» bezeichnet. Dem Zukunftsbaum wird mehr Platz und damit mehr Licht gewährt. Dadurch kann er besser wachsen, eine grössere Baumkrone und einen dickeren Stamm entwickeln sowie mehr Samen produzieren. Genügend Samen von zukunftsfähigen Baumarten sind eine zentrale Voraussetzung für die natürliche Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel.

 

Durch Stangenholzpflege freigestellte Eichen, Kirschbäume und Weissdorne (alle blau markiert). Sie sind ökologisch wertvoll und benötigen genügend Licht für ein gutes Wachstum. So können sie grosse Kronen bilden und viele wichtige Samen produzieren. (Foto: Pascal Gmür)
Durch Stangenholzpflege freigestellte Eichen, Kirschbäume und Weissdorne (alle blau markiert). Sie sind ökologisch wertvoll und benötigen genügend Licht für ein gutes Wachstum. So können sie grosse Kronen bilden und viele wichtige Samen produzieren. (Foto: Pascal Gmür)

Die extensive Waldpflege fokussiert auf die oft seltenen Zukunftsbaumarten in der Naturverjüngung. Auf einer – auf den ersten Blick – relativ artenarmen, von Buche, Bergahorn, Fichte und Weisstanne dominierten Waldfläche konnten 14 Baumarten gefördert werden. Der Waldbestand wurde mit einer gezielten Pflege in eine vielfältige Zukunft gelenkt. Damit wird das Erfüllen der für die Bevölkerung wichtigen Waldleistungen nachhaltig sichergestellt.

Peter Ammann bei einer freigestellten Aspe (auch Espe oder Zitterpappel genannt). Die Aspe weist als Pionierbaumart ein beeindruckendes Wachstum auf und beherbergt viele Schmetterlinge. (Foto: Pascal Gmür)
Peter Ammann bei einer freigestellten Aspe (auch Espe oder Zitterpappel genannt). Die Aspe weist als Pionierbaumart ein beeindruckendes Wachstum auf und beherbergt viele Schmetterlinge. (Foto: Pascal Gmür)

Nach Festigung des Erlernten in weiteren Waldpflegeflächen wurde im Mai der zweite Teil der Weiterbildung in Baden im Kanton Aargau durchgeführt. Die dortigen tieferliegenden Wälder haben noch stärker und früher unter dem Klimawandel gelitten. Aufgrund des Klimawandels ist davon auszugehen, dass sich die Höhenstufen nach oben verschieben werden. Somit bildet der Badener Wald und seine Baumartenzusammensetzung ein gutes Beispiel für die Zukunft.

Der dortige Wald wird seit längerer Zeit nach der Empfehlung der Fachstelle Waldbau gepflegt. Anhand von Beispielen konnten die Effekte einer konsequenten Pflege der Zukunftsbäume im Wald besichtigt werden. Dies vermittelte den Forstwarten des Staatswaldes ein Bild, wie sich die eigenen Pflegeflächen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnten.

Die Birke ist eine Pionierbaumart, die gut mit dem Klimawandel und längeren Trockenphasen zurechtkommen dürfte. Der Birkenwald in Baden erschien aufgrund des anhaltenden Niederschlags allerdings in sattem Grün. (Foto: Pascal Gmür)
Die Birke ist eine Pionierbaumart, die gut mit dem Klimawandel und längeren Trockenphasen zurechtkommen dürfte. Der Birkenwald in Baden erschien aufgrund des anhaltenden Niederschlags allerdings in sattem Grün. (Foto: Pascal Gmür)

Die Fichte (auch Rottanne genannt) ist seit einigen Jahrzehnten durch Trockenheit, Stürme und den Borkenkäfer unter Druck, insbesondere in Tieflagen.

Die klimawandelbedingte Trockenheit führte zu Schäden und absterbenden Buchen im Schutzwald oberhalb der Kantonsstrasse im Staatswald Hulftegg in Mosnang. Zwischen 2023 und 2024 musste ein grosser Sicherheitsholzschlag mit fast 1'200 Kubikmetern durchgeführt werden.

Die Esche war nach der Buche die zweithäufigste Laubbaumart der Schweiz. Sie stirbt seit einigen Jahren aufgrund des Eschentriebsterbens grossflächig ab. Dies erfordert oftmals eine vorzeitige und aufwendige Ernte aus Sicherheitsgründen. Die kranken Eschen stellen dabei auch eine grosse Gefahr für das Forstpersonal dar. Die Bestände wurden seit Jahrzehnten gepflegt und es wurde kontinuierlich in sie investiert. Die vorzeitige Entnahme und die schlechtere Holzqualität aufgrund des Pilzbefalls führen nebst höheren Kosten zusätzlich zu tieferen Holzerlösen. Der Schaden ist somit ökologisch und ökonomisch enorm.

Im Staatswald Eichwald in Niederbüren mussten Anfang 2025 mehrere hundert Kubikmeter absterbender Weisstannen vorzeitig geerntet werden. Ursache hierfür dürften die zurückliegenden Trockenperioden und der zunehmende Mistelbefall sein.

Ein Gewittersturm mit intensiven Starkniederschlägen hat Ende Juni rund 1’000 Kubikmeter Sturmholz im Staatswald Wilket, Neckertal, geworfen. Der Staatswald umfasst rund 1’500 Hektaren Wald. Jährlich werden darin rund 9’000 Kubikmeter nachwachsendes Schweizer Holz geerntet. Der Sturmschaden im Gebiet Wilket umfasst somit über zehn Prozent der jährlichen Ernte und über 50 Prozent in diesem Waldkomplex.

Die Winter, Hauptholzerntesaison, werden milder. Längere Frostperioden wie im Winter 2024/2025 werden zur Ausnahme. Insbesondere in schlecht erschlossenen Waldungen wird die Holzernte damit aufwendiger und teurer. Teilweise muss eine Seilkrananlage eingesetzt werden, weil das Holz nicht mehr mit einer Maschine transportiert werden kann. Die Bedeutung des Waldstrassennetzes steigt, damit die lokalen und regionalen Sägereien stetig mit nachhaltigem Schweizer Holz versorgt werden können.

Trockenperioden und zunehmende sowie stärkere Starkniederschläge führen zu vermehrten Schäden an Waldstrassen und -wegen. Dies erfordert mehr Investitionen in den Unterhalt und die Wiederherstellung der zentralen Walderschliessung wie auch deren Entwässerung.